… weiter mit rund Rügen

Von Thomas Ziegler GER156

weiter….: Schon während der Fahrt wurden in der eigens für die Teilnehmer eingerichteten WhatsApp Gruppe wild Bilder und noch zu fahrende Kilometer bis Stralsund ausgetauscht. Waren wir eigentlich schon vorher leicht gestört?

Moralverlust

Zwischendrin kam vom Organisator Thomas Hummels immer mal wieder ein Bild, das ihn segelnderweise bei 15 Knoten Wind und Sonnenschein zeigte – das war der Moral nicht wirklich zuträglich, steigerte aber die Vorfreude.
Pünktlich zu unserer Ankunft Samstagmittag im Wassersportzentrum Dänholm/Stralsund begann es wie aus Eimern zu schütten. Kurzerhand wurde das Aufriggen verschoben und auf das Eintreffen aller Crews – bei dem einen oder anderen Bier – im Hafenrestaurant gewartet.

Luftbild Stralsund

Schnell war das Eis zwischen den Teilnehmern gebrochen und es wurde viel gelacht. Ab 17 Uhr kam die Sonne wieder raus und wir slippten die Boote. Gegen 20:30 Uhr waren alle acht Seascapes, inkl. Gepäck und Proviant für die nächsten 7 Tage, im Wasser. Hierbei stellten sich deutliche Unterschiede in der Beladung und in der Auffassung, was man so für 7 Tage benötigt, heraus. So viel sei gesagt, unsere GER 156 wurde vom Ausnutzen des Stauraums maximal noch von Thomas Hummels in seiner „niXe“ GER 177 geschlagen. Dass das jetzt Lastenkähne waren, wagte niemand zu leugnen.

Wer mitten im alten Hafenbereich der Hansestadt Stralsund mal einen tollen Abend verbringen will, kann getrost unsere Location wählen : das Restaurant „Kron Lastadie“.

Sonntag Start kurz nach Mitternacht – zumindest gefühlt

Der Sonntag startet leider noch vor dem Wachwerden, also sehr früh, da wir die erste Öffnung der Ziegelgrabenbrücke um 8:20 Uhr schaffen mussten.
Also 6:30 Uhr Aufstehen. 7 Uhr Frühstück mit kurzer Einweisung durch Thomas Hummels zur Etappe von Stralsund durch den Strelasund in den Bodden, nach Lauterbauch. Dann alle 8 Uhr raus aus dem Hafen Richtung Brücke.DSC_0072

Ostwind. 13 Seemeilen gegenan, bevor es ab Erreichen des Boddens auf Halbwindkurs Richtung Lauterbach ging. Im Laufe des Vormittags nahm der Wind von 10 auf 20 Knoten zu und die Kreuz bei Strom und Wind gegenan zog sich wie Kaugummi. Nach circa 4h erreichten wir den Bodden und damit Halbwind. Die nächsten 8 Seemeilen vergingen Ruckzuck und circa 14 Uhr erreichten wir die „Im Jaich Marina“ Lauterbach. Ein super-moderner Hafen mit schwimmenden bzw. Pfahlhäusern mitten zwischen den Bootsliegeplätzen.

Den Nachmittag verbrachten wir bei netten Gesprächen auf den Booten und mit einem kurzen Abstecher zum Räucherschiff Berta um frischen Fisch zu essen. Schlusspunkt des tollen ersten Segeltags war das „Beachhaus“ in Lauterbach – ein tolles Restaurant ohne Beach.

Spielwiese Boddengewässer rund um die verträumte Oase

Am Montag stand mit 14 Seemeilen eine kurze Etappe von Lauterbach mit Rast in Seedorf zum Hafen Gager an.

10:30 Uhr Auslaufen. Hierbei passierte einer Crew leider ein Missgeschick und ihre Seascape war so beschädigt, dass die Weiterfahrt nicht möglich war. Nach kurzer Besprechung und der Bitte des Havaristen nicht zu warten, setzten wir die Fahrt, reduziert auf 7 Boote und unserer Motorbootbegleitung Günter und Marina (Mitarbeiterin von Seascape), fort.

Und was war das für ein Segeln: 19 Knoten und selbst die Lastenkähne pfiffen unter Gennaker nur so im Glitsch dahin. Das Grinsen wollte nicht aus den Gesichtern.DSC_0058
Zum Mittag gab es das erste Anlegebier mit einer Kleinigkeit zu essen im wunderbaren Naturhafen Seedorf bevor wir zum Etappenziel Gager aufbrachen. Seedorf ist eine verträumte Oase in Schilf – so stellt man sich Rügen vor hundert Jahren vor. Nur die Bedienung und der warme Kuchen waren aus der Jetztzeit.

Kurz vor Gager – unter Gennaker – sah ich von weitem ein Boot, welches sehr nach einer Seascape 27 aussah, nur unter Fock langsam Richtung Hafen mehr treibend als segelnd. Wir kamen schnell näher und ich freute mich, dieses tolle Boot zum ersten Mal im Wasser zu sehen. Die Freude des Eigners über die kleinen „Seascape 18 Brüder“ war ungemein größer, denn er hatte einen vermeintlichen Motorschaden und bat mich ihn in den Hafen zu schleppen. In Anbetracht meines kleinen 2,5 PS Außenborders war ich zwar etwas skeptisch, ob das Unterfangen klappen würde, aber der Kleine brachte unser schweres Gespann ohne Probleme hinein.

Seascape wird zum Partyboot

Dort angekommen kam sofort der Dank mit einem Bier, der Motor wurde schnellstens repariert und kurzerhand befanden wir uns als große, lachende Meute mit 14 Personen auf der 27er wieder. Auf die neue Freundschaft zwischen 18er- und 27er-Eignern wurde noch so einiges getrunken und es folgte ein unglaublich lustiger Nachmittag. Konsequente Folge: Thomas, der eigentlich mit seiner 27er ganz woanders hin wollte, beschloss mit seiner 3 Monate alten Seascape unsere Truppe über die nächsten Tage bis Glowe zu begleiten.

Schon in der Nacht war eine deutliche Zunahme des Windes zu spüren. Am Morgen hatten wir gute 25 Knoten Wind in der geschützten Bucht von Gager – in Böen schon mehr. Also Hafentag und anderes. Mit dem Bus zur Seebrücke nach Sellin und am Nachmittag auf einen Berg oberhalb des Hafens Gager in die „Zicker Alpen“, von dem man einen tollen Ausblick über die Südspitze Rügens, den Bodden und die Ostsee hatte. Achtung Segler: Der Berg wurde zu Fuß erklommen!

„Wissen Sie eigentlich, dass Sie mir hier nur Arbeit machen!“

Den Abend verbrachten wir im Restaurant „Zum Anker“ in Gager, direkt im Ort. Der Kellner des Vorabends vom Restaurant „Alte Bootswerft“ im Hafen hatte uns zuvor mit seinem nur ihm zugänglichen Charme klar gemacht, dass er mit einer großen Gruppe, wie wir es waren, zu viel Arbeit hätte. Hier störte der Kunde! Er wollte doch so gerne auf uns verzichten. „Wissen Sie eigentlich, dass Sie mir hier nur Arbeit machen! Ich laufe hier nur noch wegen Ihnen.“ Da fühlt man sich doch gleich gut – woanders aufgehoben. Dass er anschließend mit seinem FDGB-Habitus zum geflügelten Spotobjekt aller Seascaper wurde, musste seine Ohren klingeln lassen.

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Das Verschieben unseres Hafentags hatte sich gelohnt. Am Mittwoch wurden wir mit Sonne und 12-15 Knoten südwestlichen Windes belohnt. Wir mussten also nur die ersten 5 Seemeilen zum Südperd am Wind segeln und ab da gingen die bunten Gennaker wieder hoch und wurden erst in der Hafeneinfahrt des Stadthafens Sassnitz, 15 Seemeilen später, vorbei an den Seebädern Göhren, Sellin und Binz, wieder eingepackt. Je mehr Wind wir auch an diesem Tage hatten, umso rasanter war der Gleitflug unserer kleinen Sportboote.

Durch die unglaublich tollen Segelbedingungen kamen wir deutlich früher als erwartet im Etappenhafen an. Den Nachmittag verbrachten wir in der Sonne sitzend in einer Hafengaststätte und kauften im benachbarten Bootsbedarfsgeschäft allerlei Kleinigkeiten. Das Restaurant „Gastmahl des Meeres“ in Sassnitz machte später seinem Namen alle Ehre.

Kreidefelsen

Der Donnerstag begrüßte uns wieder mit Sonnenschein und einer ganzen Menge Wind. Nach einem ausgedehnten Frühstück im Cafe Bäckerei Peters / Hafen Sassnitz liefen wir bei guten 4 Windstärken aus, um vorbei an den Kreidefelsen und dem Königsstuhl im Hafen Lohme zu Mittag anzulegen und später weiter zum Tagesziel Glowe zu segeln.

Seascape 18 vor den KreidefelsenAb Höhe des Königsstuhls nahm der Wind von 15 auf 22/23 Knoten von vorn zu. Somit wurde der vermeintlich kurze Schlag von circa 10 Seemeilen bis Lohme zu einer länger dauernden Kreuz bei ordentlich Welle und Wind. Alle Crews schlugen sich hervorragend und kamen mit der steilen Ostseewelle gut zurecht.
Die Hafeneinfahrt Lohme sollte noch gemeistert werden, um später „König Lohme“ kennen lernen zu können.DSC_0279

König Lohme

In Lohme angekommen hinterließ der Wirt unseres ausgesuchten Seeblick-Restaurants mit seiner Selbstdarstellung bzw. Weltsicht bei allen Seglern bleibenden Eindruck, war er doch nicht wirklich an seinen segelnden Gästen interessiert, sondern nutzte diese als Stichwortgeber für seine Selbstbeweihräucherung. Also wurde er von der Gruppe unfreiwillig auf den zutreffenden Namen „König Lohme“ getauft. Ein Titel, der noch zig mal alle Segler in  schallendes  Gelächter ausbrechen ließ.KönigLohme

Gegen 17 Uhr brachen wir zur Kreuz gegenan von Lohme nach Glowe auf. Da der Wind zwischenzeitlich wieder etwas nachgelassen hatte, war es sehr angenehmes Segeln in den Abend hinein, bei dem es  teilweise zu richtigen Matchraces kam. Gegen 19:30 Uhr liefen wir in Glowe ein und es gab Abendessen im Restaurant „Ostseeperle“ direkt am langen Sandstrand der Schaabe.
Natürlich wurden jetzt Pläne für die nächste Seascape Cruising Woche geschmiedet. Tags drauf verholten wir die Trailer vom Hafen Dänholm nach Glowe, wo am nächsten Morgen schon das Slippen und die Heimreise anstanden. Unseren letzten gemeinsamen Abend auf Rügen verbrachten wir grillend, lachend und rückblickend auf eine außergewöhnlich schöne Segelwoche am Strand nahe des Glower Hafens.

DSC_0088Der Samstag, unsere Abreisetag, startet für Gregor und mich um 6 Uhr morgens, da wir das Boot slippen, abriggen und circa 820 km Fahrt im Ferienverkehr vor uns hatten. Gegen 9 Uhr verabschiedeten wir uns, mit dem Versprechen uns alle zur Regatta in Koblenz wiederzusehen, von den anderen Teilnehmern. Leider folgte nun eine fast endlos erscheinende, durch Staus geprägte Heimfahrt über knapp 13 Stunden.

Geblieben sind trotzdem super schöne Segeltage, tolle Erinnerungen, ganz viel Lachen und lustige Stunden, neue Freundschaften und die Gewissheit, dass unserem ersten Cruising-Event im Kreise der Seascaper nun noch viele weitere folgen sollen.
Dass gleich zwei Teilnehmer noch ganz zum Schluss der Woche – ohne Einfluss durch das Segeln – und unabhängig voneinander im Rügener Krankenhaus landeten, ist eine eigene unglaubliche Story. Es ging aber alles gut aus.
Vielen Dank an alle Teilnehmer und unseren Organisator Thomas Hummels für eine unvergessliche, gemeinsame Urlaubswoche.

PS: Mojo – GER111, Heinz-Christian Bock hat während der Phasen mit weniger Wind ein Video produziert. Welch herrliches Sommersegeln rund Rügen.


Und im August 2015 treffen sich die Seascaper auf der Müritz.

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